sotrud.ru 1

Myronenko K.


Besonderheiten der Übersetzung von Märchen als Sonderart des„literarischen Übersetzens“.

Анотація до статті: Ще з давніх часів казки зачаровують дітей різного віку. Однак переклад казки не така легка справа. У цій статті я хочу показати елементи, які повинні враховуватися при літературному перекладі казки. Особлива увага приділяється проблемам, які виникають при перекладі казок, а саме при перекладі культурних традицій, діалекту і чарівних персонажів, типових для кожної окремої культурної системи. Для розгляду ми обрали казки братів Грімм і деякі українські народні казки.
Ключові слова: теорія перекладу, літературний переклад, казки.
Аннотация к статье: Еще с древних времен сказки очаровывают детей разного возраста. Однако перевод сказки не такое легкое дело. В этой статье я хочу показать элементы, которые должны учитываться при литературном переводе сказки. Особое внимание уделяется проблемам, которые возникают при переводе сказок, а именно при переводе культурных традиций, диалекта и сказочных персонажей, типичных для каждой отдельной культурной системы. Для рассмотрения мы выбрали сказки братьев Гримм и некоторые украинские народные сказки.

Ключевые слова: теория перевода, литературный перевод, сказки.
Annotation: Fairy Tales have been enchanting children of all ages since the earliest times. But the work with fairy tales is not that simple, especially when they must be translated. In this paper I want to show the elements that have to be considered by literary translation with special focus on the problems that occur by translation of fairy tales, namely by translation of the cultural background, the dialect and the enchanted characters which are typical for each cultural system. For our study we chose some brothers Grimm’s fairy tales and some Ukrainian folk tales.
Key words: Translation Theory, Literature, Fairy Tales.

Die Märchen sind literarische Texte, die die meisten von uns in Kinderjahren mit

Lust, Staunen und Begierde gelesen haben. Was hat uns an Märchen fasziniert? Unserer Ansicht nach fasziniert uns die Ungebundenheit an Ort und Zeit und das
Unmögliche zur Möglichkeit gemacht wird. Die Märchen sind wie ihre Inhalte nicht pragmatisch fassbar, man begreift sie nur durch Fantasie und die eigene Vorstellungskraft. Das wird selbstverständlich mit der Sprache zur Geltung gebracht. Unterschiedliche Rhetorische Mittel stehen hier zur Verfügung. Und die Hauptfunktion des Übersetzers ist es alle diese Mittel wiederzugeben und dabei den gleichen Eindruck bei dem Endleser, dem Kind, zu bewahren.

Somit ist das Thema des vorliegenden Artikels verbunden.

Unser Ziel ist es zu erforschen, welche gewissen Regeln die Märchen einhalten, ob der Übersetzer das Flair des Originalsmärchen beibehalten oder das Werk dem Zielpublikum näher bringen soll.


Die Aktualität
unserer Forschung besteht darin, dass obwohl Märchen für Kinder geschrieben sind, ist das Übersetzen in diesem Fall nicht leicht. Nicht nur die Sprache, die speziell für Kinder geschaffen wird, sondern auch der ausgangskulturelle Hintergrund. Also, Adaptieren oder nicht adaptieren, das ist die Frage, die die kulturelle Entwicklung der Menschheit während ihrer ganzen Geschichte begleitet hat. Theoretiker und Praktiker haben sich für die eine oder für die andere Richtung eingesetzt, ohne dass jemand gewinnen könnte. Schleiermacher gab dafür eine bildhafte Darstellung dieser Dichotomie:
„Entweder der Übersetzer lässt den Schriftsteller möglichst in Ruhe, und bewegt den Leser ihm entgegen, oder er lasst den Leser möglichst in Ruhe, und bewegt den Schriftsteller ihm entgegen.“ [6; 36] Dieser Streit bezog sich ausschließlich auf das literarische Übersetzen, und wir als die Experte der interkulturellen Kommunikation, müssen uns für die eine oder die andere Lösung selbst entscheiden

Mit der literarischen Übersetzung haben sich viele Fachleute auseinandergesetzt, wobei wir uns in dieser Arbeit auf R. Klöpfer, J. Levy und A. Friedmar beziehen werden.

R. Klöpfer betrachtet den Ausgangstext als ein „sprachliches Kunstwerk“, wofür man die adäquate Übersetzungsmethode auswählen sollte, um ein genaues Verstehen des Fremden zu gewährleisten.[2;126] Indem er sich auf Novalis beruft, spricht er von einem Übersetzer als ein Dichter des Dichters, dessen Werk eine Einheit von Dichtkunst, Hermeneutik und Poetik darstellen soll. Folglich ist die literarische Übersetzung für ihn ein hermeneutischer Prozess, als Folge dessen ein neues Kunstwerk entsteht, das die Idee des Originals wiederzugeben hat.

Im Vergleich zu R.Klöpfer vertritt J.Levy die Auffassung, dass „das Ziel der Übersetzerarbeit ist es, das Originalwerk zu erhalten, zu erfassen und zu vermitteln“.[3; 65] Obwohl auch bei ihm die Übersetzung als eine „Kunstgattung“ zu verstehen ist, darf sie nicht vom Original abweichen, sondern als eine Invariante erscheinen, weil für J.Levy das Ziel in diesem Falle eine Reproduktion ist, keinesfalls aber, ein neues Werk zu schaffen. Somit ist die Hauptfunktion eines Translats die Vertretung des Originals in der Zielkultur, was seiner ersten Übersetzungsmethode entspricht und zwar der lllusionsmethode. “Die illusionistischen Methoden verlangen, das Werk solle ‘aussehen wie die Vorlage, wie die Wirklichkeit‘. [Bsp. illusionistisches Theater]. Der illusionistische Übersetzer verbirgt sich hinter dem Original, das er gleichsam ohne Mittler dem Leser das Ziel verlegt, bei ihm eine übersetzerische Illusion zu wecken, die Illusion nämlich, dass er die Vorlage lese.“[3;31] Die zweite Methode, die er aber nur in seltenen Fallen befürwortet (Adaptationen, Parodien) ist die Antiillusionsmethode. “Die antiillusionistischen Methoden spielen dreist mit der Tatsache, dass sie dem Publikum nur eine Nachbildung der Wirklichkeit anbieten. [3;32] Auch der Übersetzer kann von der übersetzerischen Illusion abschweifen, indem er seinen Beobachtungsstandpunkt enthüllt, nicht ein Originalwerk vortauscht. sondern es kommentiert, bzw. indem er den Leser mit persönlichen und aktuellen Anspielungen ‘anspricht‘.“[3;32]

Apel Friedmar hebt, so wie R. Klöpfer, die schöpferische Dimension der Übersetzung hervor. Übersetzung ist eine zugleich verstehende und gestaltende Form der Erfahrung von Werken einer anderen Sprache.“[1;8] Das Objekt dieser Erfahrung ist die dialektische Einheit von Form und Inhalt als Verhältnis des Werks zum Rezeptionshorizont (also z.B. der Stand der Sprache, geschichtliche, soziale und individuelle Situation). A. Friedmar betont hier die Wichtigkeit des Rezeptionshorizontes, der einerseits von der jeweiligen Kultur abhängt, aber auch von dem zeitlichen Abstand zwischen Original und Translat und der zielkulturellen Gesellschaft.

Im Sachwörterbuch der Literatur wird das Märchen folgendermaßen definiert:
„Kürzere volksläufig-unterhaltende Prosaerzählung von phantastisch-wunderbaren Begebenheiten und Zustanden aus freier Erfindung ohne zeitlichräumliche Festlegung.“[10] Ebenfalls erscheinen übernatürliche Gewalten und Gestalten, die in das Alltagsleben eingreifen, wie redende Tiere, Riesen, Zwerge, Drachen, Feen, Hexen, Zauberer, verwunschene Menschen, die Tier- oder Pflanzengestalt annehmen oder unglaubwürdige Erscheinungen, die den Naturgesetzen widersprechen. Viele Ereignisse und Gestalten gehören dem universellen Kulturgut, wobei aber jedes Land eigene Figuren in seinen Märchen auftreten lässt, die aus der jeweiligen Kultur stammen und nur im Rahmen der Ausgangssituation vollständig begreifbar sind. Schauplätze, Personen, Daten und Umstände der Erzählungen sind nicht näher bestimmt, ein Schleier von Übernatürlichkeit lässt Raum und Zeit verschwimmen und die Inhalte werden nur durch Phantasie und eigene Vorstellungskraft begriffen.

Die Märchen werden nicht nur von der persönlichen Erfahrung geprägt, sondern vom kulturellen Milieu in dem sie verfasst oder gefunden wurden. Als Folge ist auch die Sprache etwas Besonderes, da sie oft dialektal und/oder archaisch gefärbt ist. Hinzu kommen auch die für die Kinder bestimmten Wendungen, da Märchen doch in erster Linie für Kinder verfasst werden, die Verkleinerungs- und Verniedlichungsformen, die magischen Spruche und die Oralität der Sprache, die doch spezifisch für die mündlich überlieferten Texte ist.


In diesem Beitrag haben wir uns hauptsächlich mit Märchen der Brüder Grimm beschäftigt. Jakob und Wilhelm Grimm, haben eine große Rolle bei der Entstehung der mündlichen Literatur, nämlich der Märchen gespielt und sie werden heutzutage als Väter der Erzählforschung betrachtet. Grimmsche Märchensammlungen sind unvergleichlich, weil sie die Entdeckung der Werte der mündlichen Überlieferungen gefordert haben. Aus den ukrainischen Übersetzungen von Brüder Grimms Märchen haben wir die Serie «Казки народів світу», übersetzt von Sakydon Sydor und anderen - Kiew. Weselka, 1982 zur Analyse gewählt. Sie bewahren die Einfachheit, Leichtigkeit, Natürlichkeit und Ungezwungenheit des Originals; sie sind zur organischen Errungenschaft der ukrainischen Literatur geworden, weil die Übersetzer kreativ, geschickt und wirtschaftlich eine traditionelle Stilmittel des ukrainischen Märchens angewendet haben. Ihre Übersetzung ist reich an den Gesprächselementen, den aus dem Arsenal der lexikalischen und poetischen Mittel des Genres entlehnte Techniken. Ihr ungezwungener Stil der Übersetzung trifft die kommunikativen Aufgaben, die organisch mit den Elementen der ukrainischen Volksmärchen verbindet.
Deutsche sprachliche Tradition im Genre der Märchen hat seine eigenen Besonderheiten. Der Übersetzer verwendet oft die Konkretisierung der Situation mittels der Hinzufügungen oder Paraphrasen, die dem Original nicht widersprechen, z.B.: Da machte sich die Alte getrost auf den Weg (Der Wolf und die Sieben Geißlein, s. 3)—Мемекнула стара і пішла собі спокійно до лісу («Вовк та семеро козенят», с. 7).

In diesem Satz fügt der Übersetzer saloppes, emotiv gefärbtes мемекнула hinzu, und statt auf den Weg konkretisiert er - до лісу. Obwohl in dem Original diese Wörter fehlen, sind sie organisch in der Übersetzung eingepasst. Von der breiten Verwendung der Konkretisierung bei der Übersetzung zeugen auch andere Beispiele:


Macht auf, ihr lieben Kinder, eure Mutter ist da und hat jedem von euch etwas mitgebracht! (Der Wolf und die Sieben Geißlein s. 3). —Гей, дітки, відчиніть, ваша матуся прийшла, вам гостинців принесла ( Вовк та семеро козенят, с. 7).

Das Wort etwas, das im Kontext «дещо» heißt, wird durch umgangssprachliches ukrainisches гостинці übersetzt, d.h. konkretisiert.

Ebenso wird in der Übersetzung auch solche Situation wiedergegeben: : Eines Tages wollte sie im Walde Futter holen (Der Wolf und die Sieben Geißlein s. 3) — От якось надумала вона піти в ліс травички нарвати, діток нагодувати ( Вовк та семеро козенят, с. 7), in dem Futter holen ist durch die ganze Phrase wiedergibt: nicht nur was? ? — травички нарвати, sondern noch wozu? — діток нагодувати. Diese verkleinernden und liebkosenden Formen sind für die Sprache der ukrainischen Volksmärchen typisch.
Für die ukrainischen Volksmärchen sind konstante Epitheta charakteristisch, die im deutschen Text fehlen. Der Übersetzer verwendet sie manchmal in seiner Übersetzung, aber selten und vorsichtig. Zum Beispiel, зелений моріжок in einem solchen Satz: Der Wolf trollte sich fort und legte sich auf der Wiese unter einen Baum (Der Wolf und die Sieben Geißlein s .4). —Напхавши своє голодне черево, вовк посунув надвір, на зелений моріжок, розлігся у холодочку під дубом та й заснув ( Вовк та семеро козенят, с. 8).

In diesem Beispiel wird die oben erwähnte Konkretisierung der Situation mit zusätzlichen Details verwendet: напхавши своє голодне черево, в холодочку, заснув, statt Baum - дуб.


Alle auszeichneten Worte fehlen in dem Original, trotzdem widersprechen sie dem Inhalt nicht, dagegen machen sie es lebendiger.

Manchmal verwendet der Übersetzer die Erweiterung als Übersetzungsmittel, d.h. der Übersetzer spinnt einen Gedanken weiter aus, zum Beispiel: Liebe Kinder, ich gehe in den Wald, seid auf euer Hut vor dem Wolf (Der Wolf und die Sieben Geißlein, s. 3). — Діточки мої любі, я йду в ліс, а ви тут добре замкніться, вовка в хату не пускайте, бо як улізе, то всіх вас із кісточками поїсть (Вовк та семеро козенят, с. 7). Alle diese auszeichneten Wörter fehlen im Original. Dank dieser zusätzlichen Begriffe erschließt die Bedeutung des deutschen Ausdruckes tiefer «Seid auf euer Hut vor dem Wolf», der eine Warnung, Belehrung, Einschüchterung enthält, und die Erziehungsmoment, das in vollem Einklang mit der ukrainischen Tradition ist.
Das Original befolgend, findet der Übersetzer passende Äquivalente für deutsche Phraseologismen, Sprichwörter, Redensarten. Zum Beispiel:

Du schreist einem durch Mark und Bein, — sprach der Esel (Bremen Stadtmusikanten, s.44). — Чого розкукурікався, наче тебе ріжуть? — запитує осел (Бременські музиканти, с.48). —..die machte ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter (Bremen Stadtmusikanten, s.44). —.. і такий сумний, наче три дні не їв нічого (Бременські музиканти, с. 48).

Der Übersetzer ändert manchmal den ersten Satz in den deutschen Märchen, zurückführend ihn in der Übersetzung auf die für die ukrainischen Märchen traditionelle Initialformel. Zum Beispiel: Vor Zeiten war ein König und eine Königin, die sprachen jeden Tag: "Ach, wenn wir doch ein Kind hätten! (Dornröschen, s. 73). — Давно, давно жили собі король і королева, і не було в них дітей (Спляча красуня, с. 53).


Die auszeichneten zusätzlichen Komponenten im Zieltext verschlechtern die Qualität der Übersetzung nicht, sondern bestimmen einige Details, klären die Situation, ohne das Wichtigste zu zerstören und zwar: Stil der Erzählung, Struktur der Komposition und Bilder der Märchen. In der ukrainischen Übersetzung der deutschen Märchen gibt es keine stilistischen Listen, Genauigkeit. Beachten Sie, dass ihre rhythmische und intonatorisch -syntaktische Struktur ziemlich präzis das deutsche Original abbildet.
Der Übersetzer zeigt auch die künstlerische Erfindungsgabe bei der Wiedergabe von Phraseologismen und expressive Ausdrucksmittel. Die übersetzten Märchen klingen wie eigentlich „ukrainische“ und sind leicht von dem ukrainischen Leser wahrgenommen.

Stoßt auf die Notwendigkeit der Wiedergabe des Genre- und stilistischen Systems der deutschen Märchen, findet der Übersetzer von ukrainischen Volksmärchen ins Deutsche nicht immer die gleichbedeutenden sprachlichen Mittel zum Ausdruck traditionellen ukrainischen Märchenformel. Die Schwierigkeiten erscheinen im Zusammenhang mit der Übersetzung von ukrainischen Namen und Titeln wie зайчик-побігайчик, лисичка-сестричка, вовчик-братик, рак-неборак, коза- дереза, пан Коцький, Котигорошко und andere. Sogar die gewöhnlichen ukrainischen дід та баба machen manchmal die adäquate Übersetzung unmöglich. Zum Beispiel: : Були собі дід та баба. Поїхав дід на ярмарку та й купив собі козу. Привів її додому, а рано на другий день посилає дід старшого сина ту козу пасти (Коза-дереза, с.35).Es waren einmal ein Grosväterchen und ein Grosmütterchen. Mit ihnen zusammen lebten auch die beiden Enkelsöhne. Eines Tages fuhr das Grosväterchen zum Markt und kaufte eine Ziege. Es brachte die Ziege nach Hause und befehl am nächsten Tag dem ältesten Enkelsohn die Ziege weiden ( die Enkelzeige, s.8).


Ukrainische дід і баба hat man wörtlich als «дідусь» und «бабуся» (Grosväterchen, Grosmütterchen) übersetzt. Diese Lösung zwingt den Übersetzer den Märchentext mit der Phrase «Mit ihnen Zusammen lebten auch die beiden Enkelsöhne»zu ergänzen, die im Original fehlt und könnte nicht sein, weil дід und баба — das ist «ein alter Mann und eine alte Frau». Beachten Sie, dass die meisten Initialformen des ukrainischen Märchens die Formel дід та баба in sich enthält. Zum Beispiel: «Був собі дід та баба, та не було у них дітей» (Кривенька качечка). «Жили собі дід та баба. Вже й старі стали, а дітей нема» (Івасик Телесик). Дід та баба kommt dem ukrainischen Begriff чоловік та жінка gleich, der auch bei der Initialformel verwendet: «Були собі чоловік та жінка, а в них два сини» (Дивна сопілка).

Einige Namen von ukrainischen Märchenpersonen sind ins Deutsche folgendermaßen übersetzt. Zum Beispiel, Вернигора — Bergeversetzer; Вернидуб — Eichenetwurzeler; Крутивус — Schnaubartdrecher; Котигорошко — Rollerbse. Binäre Namen von Tieren werden mit dem diminutiven Suffix in Kombination mit Adjektiven wiedergeben. Zum Beispiel: вовчик-братикgraues Wölflein; ведмедик-братикlieber Zottelbar; лисичка-сестричкаlieber Füchslein; рак-неборакlieber Krebs, але зайчик-побігайчикHäschen-lauffeldlein, або Häschen, lieber Schnuppnäschen.

Manchmal in der Übersetzung wird die Bedeutung eines Eigennamens erläutert. Zum Beispiel, Коза-дерезаLügeziege; яйце-райцеWunderei, obwohl dabei die Originalität und Märchenhaftigkeit von Namen verloren ist.

Ein Autor der Übersetzung von ukrainischen Märchen ins Deutsche verwendet ebenso das erwähnte Mittel der Erweiterung oder Ergänzung bei der Übersetzung von Begriffe, die im Original fehlen. Wenn im ersten Fall die Ergänzung dem Inhalt und Stil des Originals nicht zerstört, so hat die Ergänzung in dem zweiten Fall ihre Besonderheiten. In dem Übersetzungstext ins Deutsche werden z.B. Elemente des anderen, nicht märchenhaften Stiles verwendet. — Просили вовк, ведмідь, дикий кабан і я прошу, щоб ти прийшов з своїм паном Коцьким до нас на обід! (Пан Коцький, с.29). —Der Wolf, der Keiler, der Bär und ich ersuchen dich höflich, uns die Ehre zu erweisen, mit Kater Kotski an unserem Festmacht teilzunehmen (Pan Kotski, s.6).


Infolge des falsch gewählten Äquivalenten bei der Übersetzung wird das Bild des Märchen-Charakters auch verändert: — А потім посходились та й кажуть: « От який малий, а тільки-тільки нас усіх не поїв» ( Пан Коцький, с.29). — Endleich trafen sie sich alle zusammen und sprachen: «Das ist aber ein Teufelkerl ! Es fehlte nicht viel, und er hätte auch uns noch aufgefressen!» (Pan Kotski, s.7).

Im Originaltext haben wir die Antithese: einerseits - eine kleine Katze (пан Коцький), andererseits - große Tiere (Wolf, Bär, Wildschwein). In der angeführten Replik des ukrainischen Märchens wird die Begeisterung vor der Kraft, die mit so einem kleinen Tier begabt ist, ausgedrückt - wenn auch klein aber stark. Bei der Übersetzung ist diese Bedeutung verloren («Das ist aber ein Teufelkerl»), obwohl sie aus dem unausgesprochenen Sinn abgeleitet werden kann, da die ganze Geschichte auf der hingewiesenen Antithese beruht.

Also, generell formuliert können folgende Schlussfolgerungen gezogen werden.
Obwohl Märchen für Kinder geschrieben sind, ist das Übersetzen in diesem Fall nicht leicht. Nicht nur die Sprache, sondern auch der ausgangskulturelle Hintergrund speziell für die Kinder geschaffen werden. Obgleich viele Ereignisse und Gestalten dem universellen Kulturgut gehören, lässt aber jedes Land eigene Figuren in seinen Märchen auftreten, die aus der jeweiligen Kultur stammen und nur im Rahmen der Ausgangssituation vollständig begreifbar sind. Schauplätze, Personen, Daten und Umstände der Erzählungen sind nicht näher bestimmt, ein Schleier von Übernatürlichkeit lässt Raum und Zeit verschwimmen und die Inhalte werden nur durch Phantasie und eigene Vorstellungskraft begriffen.

Die Märchen werden nicht nur von der persönlichen Erfahrung geprägt, sondern vom kulturellen Milieu in dem sie verfasst oder gefunden wurden. Als Folge ist auch die Sprache etwas Besonderes, da sie oft dialektal und/oder archaisch gefärbt ist. Hinzu kommen auch die für die Kinder bestimmten Wendungen, weil die Märchen doch in erster Linie für Kinder verfasst werden, solche wie: die Verkleinerungs- und Verniedlichungsformen, die magischen Sprüchen und die Oralität der Sprache, die doch spezifisch für die mündlich überlieferten Texte ist. Da aber eine genaue Wiedergabe dieser Elemente in die Zielsprache schwierig ist, wenn man eine zielpublikumfreundliche Vorlage schaffen will, müssen die Übersetzer in jedem Fall selbst die Entscheidung treffen, ob sie den Text dem Rezipienten näher bringen, oder ob sie den Leser an den Text rücken. Sie müssen den Erwartungshorizont des Empfängers gut einschätzen, um dann die adäquaten Lösungen finden zu können. Dass im Falle von Märchen, vor allem solche wie die in diesem Beitrag untersuchten Texte, vieles Verloren geht, ist unbestreitbar. Der Leser muss aber nicht befremdendes im Zieltext spüren und falls auch etwas von der Atmosphäre des Originals rüber kommt, dann kann der Übersetzer ruhig schlafen, denn er hat seine Pflicht gut getan.

Literatur:


  1. Apel.Friedmar. Literarische Übersetzung. Stuttgart: Metzler Vlg. 1983, S. 103

  2. Klöpfer, Rolf. Die Theorie der literarischen Übersetzung, München: Fink VIg., 1967, S. 140

  3. Levy, Jiri, Die literarische Übersetzung. Theorie einer Kunstgattung, Frankfurt/ Main: 1969, S. 308

  4. Reiss, Katharina/Vermeer, Hans. Grundlegung einer allgemeinen Translationstheorie, Tübingen: Niemeyer Verlag, 1984, S. 245

  5. Rieken-Gerwing, Ingeborg. Gibt es eine Spezifik kinderliterarischen Übersetzens? Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main., 1995

  6. Schleiermacher, Friedrich. Über die verschiedenen Methoden des Übersetzens, in: Storig, Hans Joachim (Hrsg.). Das Problem des Übersetzens, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1969, 38-70 s.

  7. Mary Snell-Hornby, Hans G. Hönig / Paul Kussmaul, Peter A. Schmitt (Hrsg.) Handbuch Translation zweite verbesserte Auflage . – Stauffenburg: Verlag Brigitte Narr GmbH, 2003, S. 434

  8. Ukrainische Märchen 1. Aufl. herausgegeben von Bohdan Mykytiuk, Düsseldorf: Diederichs Verlag, 1979, S. 74

  9. Брати Грімм. Казки / переклад з німецької Сакидон С. (1-16), Попович Є. (17-30). - К.: Школа, 2002. 192 с.

  10. Луговий С. М. Українські народні казки. - К: Пегас. 2010. 112 с.

  11. http://www.maerchen.com/grimms-maerchen.htm